Aktuell

Die Initiative „Filmerbe in Gefahr“ will mit dieser Internetseite die akuten Probleme unserer Filmarchive stärker ins Bewusstsein rufen und über die Fachdebatte informieren, die bisher überwiegend von Experten geführt wird.

Wir wollen vor allem die Verantwortlichen in Bund und Ländern bewegen, die dauerhafte Sicherung unseres filmischen Kulturerbes und seine zügige Digitalisierung stärker zu fördern sowie den Zugang zur Filmgeschichte im Kino und im Internet zu erleichtern.

Die Initiative „Filmerbe in Gefahr“ geht auf einen Aufruf zur Sicherung des Filmerbes zurück, der im November 2013 mehr als 5500 Unterzeichner fand. (Jeanpaul Goergen, Klaus Kreimeier)

[2020/03/28]

Digitale Appetithäppchen

19 Filmanfänge auf Filmportal

28. März 2020. – Die Richtlinie zum Förderprogramm Filmerbe (FFE) sieht vor, dass die ersten fünf Minuten der digitalisierten Spiel- und Dokumentarfilme über 60 Minuten „für eine zeitlich unbegrenzte, nicht-kommerzielle und nicht-exklusive Präsentation“ auf Filmportal.de einzustellen sind. Derzeit sind dort 19 Filmanfänge von bisher 306 geförderten Filmen online. Aus der Übersicht der über das FFE geförderten Digitalsierungen geht hervor, dass nur zwei Filme vollständig online verfügbar sind. 81 sind auf DVD/Blu-Ray erschienen, wobei es sich hier auch um ältere Editionen handeln kann.

Zu den Filmanfängen auf Filmportal.de

[2020/03/22]

Kinematheksverbund zum „Förderprogramm Filmerbe“

Evaluierung und Optimierung gefordert – Sicherung der analogen Filmbestände

22. März 2020. – In einem Positionspapier befürworten die Mitglieder des Kinematheksverbundes – das Bundesarchiv, die Deutsche Kinemathek und das Deutsche Filminstitut & Filmmuseum – die uneingeschränkte Weiterführung des „Förderprogramms Filmerbe“ bei der Filmförderungsanstalt für den Projektzeitraum von zehn Jahren. Nach drei Jahren sollten die bis dahin gesammelten Erfahrungen in eine Evaluierung und ggf. Optimierung des Programms einfließen.

Der Kinematheksverbund erinnert an die Aufgabe der Filmarchive, ihre 35mm- und 16mm-Filme zu erhalten. Für eine entsprechende Pflege der Bestände seien sie jedoch nicht ausreichend ausgestattet. Es fehlten zudem Mittel, um die Filme zu erschließen und sowohl für die Öffentlichkeit und als auch die Digitalisierung nutzbar zu machen.

Der Kinematheksverbund verweist ferner „auf die zukünftig noch wachsende Aufgabe der Langzeitsicherung vor allem digital produzierter, aktueller Filme wie auch von Daten der Retrodigitalisierung.“ Erhebliche Desiderate bestünden auch bei der Lagerung, der physischen Restaurierung, der Katalogisierung, der inhaltlichen Erschließung und der Bewertung der zu erhaltenden Filme. Insbesondere das Bundesarchiv sehe sich einer Aufgabe gegenüber, „die ohne eine deutliche Unterstützung, ohne erhebliche Investitionen bzw. ohne einen regulären Haushaltstitel für ein langfristiges Digitalisierungsprogramm und ohne Aufstockung der Personalstellen“ kaum zu bewältigt sei.

Das Positionspapier des Kinematheksverbunds zum download:

[2020/03/18]

Digitalstrecke im Bundesarchiv-Filmarchiv

Seit Juli 2019 bereits 72 Filme gescannt

18. März 2020. – Die Digitalstrecke des Bundesarchiv-Filmarchivs am Standort Hoppegarten nahe Berlin ist bereits seit Juli 2019 in Betrieb. Seitdem wurden 72 Filmtitel in einem Umfang von rund 120 Terabyte gescannt. Die Filmtitel lassen sich in der Datenbank „Benutzungsmedien Film Online“ über die Materialart „Daten“ aufrufen. Sie werden zum Teil in mehreren Dateiformaten angebotenen.

Die geplante Einrichtung eines zweiten Filmscanners am Standort Koblenz ist aktuell nicht mehr vorgesehen. Stattdessen sollen die Scankapazitäten in Hoppegarten unter anderem für die Digitalisierung besonders fragiler Filme ausgebaut werden.

Die für die analoge Filmsicherung in Hoppegarten benutzten Geräte sind noch nicht veräußert.

[2020/03/15]

Stellungnahmen zum neuen Filmförderungsgesetz

Auch Anregungen zur Digitalisierung des Filmerbes

15. März 2020. – Anlässlich der Ausarbeitung eines neuen Filmförderungsgesetzes (FFG) haben die Arbeitsgruppen für Kultur und Medien der Koalitionsfraktionen CDU/CSU und SPD gemeinsame „Eckpunkte zur Novelle des Filmförderungsgesetzes“ vorgelegt. Darin bekennen sie sich zur Digitalisierung des Filmerbes, schlagen aber vor, das Thema aus dem Aufgabenkatalog (§ 2) der Filmförderungsanstalt (FFA) herauszunehmen. Auf Nachfrage wurde präzisiert, dass die Digitalisierung des deutschen Filmerbes eine „sehr wichtige Aufgabe, geradezu eine Jahrhundert-Aufgabe“ sei und das Förderprogramm Filmerbe nicht in Frage gestellt werde. Allerdings solle die Sicherung des Filmerbes zukünftig nicht mehr als „primäre Aufgabe der Filmbranche“, sondern als „öffentliche Aufgabe“ angesehen werden. Schließlich, so hieß es, würden die Deutsche Nationalbibliothek und die Deutsche Digitale Bibliothek auch nicht von den Verlagen getragen.

Einige der von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) um eine Stellungnahme gebetenen Verbände und Organisationen kommentierten auch die Digitalisierung des Filmerbes.

  • Dem Bundesverband kommunale Filmarbeit e.V. zufolge fehle bislang ein schlüssiges Konzept zur Sicherung des audiovisuellen Erbes. So werde etwa nicht berücksichtigt, dass Filmgeschichte über sehr verschiedene Institutionen verstreut sei und sich teilweise sogar in Privatbesitz befinde. Aus konservatorischen Gründen wird „die Sicherung des Analogmaterials und die Sicherstellung von analogen Kopien zum Kinoabspiel“ gefordert. Zur Förderung des Abspiels sollten auch ausländische Filme mit deutschen Untertiteln in deutschen Archiven und Sammlungen zugänglich gemacht werden sowie das Abspiel filmhistorischer Werke mit Referenzpunkten honoriert werden, die zu einer Förderhilfe führen. Bei der Digitalisierungsförderung sollte neben konservatorischen Aspekten vor allem die Kinoauswertung berücksichtigt werden. „Das Filmerbe muss gesichert, aber auch öffentlich präsentiert werden.“
  • Auch die AG Filmfestival legt den Schwerpunkt ihrer Anregungen auf die öffentliche Sichtbarkeit des Filmerbes. So schlägt sie vor, den Punkt „Digitalisierung“ im Aufgabenbereich der FFA um die „Sicherung von Kopien und Negativen“ zu ergänzen. Dies würde die Vorführung von Werken der Filmgeschichte im Rahmen von filmhistorischen Programmen oder Filmfestivals erleichtern. Aus konservatorischer Sicht müssten zudem analoge Filme auch analog gesichert werden, „um Filmgeschichte zu erhalten und Gesamtwerke von Filmschaffenden weiterhin präsentieren zu können.“ Um die öffentliche Sichtbarkeit des Filmerbes zu fördern, sollten Kinos, „die mindestens 20 Prozent ihrer Besucherinnen oder Besucher mit filmhistorischen Werken erwirtschaften“, einen Referenzpunkt pro Besucherin oder Besucher erhalten. Bei der Digitalisierungsförderung sollten zudem auch ausländische Filme in deutschen Archiven und Sammlungen „von besonderer filmhistorischer Bedeutung“ berücksichtigt werden.
  • Der Verband der deutschen Filmkritik e.V. diskutiert die Pflege des historischen Filmerbes unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit. Er beschreibt die Situation der Archive, den Zustand der alten Filmkopien sowie die Zugänglichkeit älterer Filme als „desaströs“. Er fordert daher, die finanzielle Ausstattung der Archive und deren Etat für Restaurierungen „deutlich“ zu erhöhen. „Ein Kinoarchiv ist nicht weniger wichtig als eine Bibliothek oder ein Museum für bildende Kunst.“ Auch private Archive müssten gefördert werden. Die Schließung des letzten staatlich betriebenen Kopierwerks sei eine Schande und sollte umgehend rückgängig gemacht werden. Um das Abspielen von Werken der Filmgeschichte zu fördern, sei auch die Einrichtung und Instandhaltung „von sogenannten Hybridkinos mit 35mm-und 16mm-Projektoren über die Kinematheken hinaus“ zu fördern.
  • Vision Kino würde es begrüßen, „dass die Förderung einer Repertoire-Digitalisierung nur dann erfolgt, wenn mittelfristig sichergestellt werden kann, dass der Film in der digitalen Fassung auch für eine Kinoauswertung zur Verfügung steht.“
  • Die AG Kino (Gilde deutscher Filmkunsttheater) möchte prüfen, ob die FFA bei der Sicherung des Filmerbes „der richtige Financier“ sei.
  • Der Verband Technischer Betriebe für Film & Fernsehen befürwortet den Erhalt des Förderprogramms Filmerbe.
  • Liste aller Stellungnahmen zur Novellierung des FFG

    [2020/03/11]

    Schweiz: Rückschlag für die Digitalisierung des Filmerbes

    10. März 2020. – Der Nationalrat, die große Kammer des Schweizer Parlaments, hat sich mehrheitlich gegen die Motion „Rechtliche Grundlage für einen Digitalisierungsfonds“ ausgesprochen. Diese sah vor, aus den Einnahmen von rund 380 Millionen Franken aus der 5G-Frequenzzuteilung einen Digitalisierungsfonds einzurichten. Ein Teil des Fonds sollte für die Digitalisierung der audiovisuellen Produktion verwendet werden.

    Die Ablehnung wurde u.a. damit begründet, dass für den Zeitraum 2021-2024 bereits rund acht Millionen Franken (rund 7 ½ Millionen Euro) für die Digitalisierung des Schweizer Filmerbes vorgesehen seien.

    Motion "Rechtliche Grundlage für einen Digitalisierungsfonds"

    [2020/01/03]

    Filmerbe Anno 1920

    Nur wenige Titel online bzw. auf DVD und Blu-Ray

    2. Januar 2020. – Derzeit sind drei Produktionen des deutschen Filmerbes aus dem Jahr 1920 auf Filmportal.de online verfügbar. Es handelt sich um die Spielfilme „Hamlet“ von Urban Gad mit Asta Nielsen (zensiert am 10.11.1920) und „Der Ochsenkrieg“ von Franz Osten (Zensur: 10.9.1920). Letzterer wurde im letzten Jahr vom Deutschen Filminstitut restauriert und digitalisiert; allerdings ist nur eine frühere Digitalisierung von 2013 eingestellt. Vorhanden ist auch der kurze Privatfilm „Hochwasser in Wetzlar 1920“ von Oskar Barnack, dem Erfinder der Leica, in einer neu zusammengestellten und vertonten Fassung.

    Die übrigen deutschen Filme in dieser Auswertung sind entweder falsch datiert wie „Die baltische Hafenstadt Reval“ oder sind nur annähernd in den 1920er Jahren verortet. Ob weitere Filme von 1920 etwa bei YouTube liegen, lässt sich nur schwer ermitteln.

    Laut Filmportal.de sind sieben deutsche Produktionen von 1920 auf DVD bzw. Blu-Ray erschienen. Neben dem online verfügbaren „Hamlet“ handelt es sich um „Anna Boleyn“, „Das Cabinet des Dr. Caligari“, „Der Golem, wie er in die Welt kam“, „Sumurun“, „Von Morgens bis Mitternachts“ sowie „Das Schweigen vom Starnbergersee“.

    Hier geht es zur Filmportal-Auswertung "Alle Filme von A-Z" nach der Kategorie „online“


    Meldungen 2019


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