Aktuell

Die Initiative „Filmerbe in Gefahr“ will mit dieser Internetseite die akuten Probleme unserer Filmarchive stärker ins Bewusstsein rufen und über die Fachdebatte informieren, die bisher überwiegend von Experten geführt wird.

Wir wollen vor allem die Verantwortlichen in Bund und Ländern bewegen, die dauerhafte Sicherung unseres filmischen Kulturerbes und seine zügige Digitalisierung stärker zu fördern sowie den Zugang zur Filmgeschichte im Kino und im Internet zu erleichtern.

Die Initiative „Filmerbe in Gefahr“ geht auf einen Aufruf zur Sicherung des Filmerbes zurück, der im November 2013 mehr als 5500 Unterzeichner fand. (Jeanpaul Goergen, Klaus Kreimeier)

[2019/09/10]

Audiovisuelle Medien im Sächsischen Staatsarchiv

Digitalisierung seit 2010

10. September 2019. – Das Sächsische Staatsarchiv in Dresden verwahrt im Sachgebiet "Audiovisuelle Medien" mehr als 12.000 Filme und Videos. Neben Industriefilmen sind Produktionen örtlicher Filmhersteller, Landwirtschaftsfilme und Amateurfilme vor allem aus der DDR archiviert.

Unter den Industriefilmen befinden sich auch Nitro-Filme aus dem Steinkohlen-Bergbau im Zwickauer Revier. Bei den Landwirtschaftsfilmen sticht die Überlieferung des Filmstudios der DDR-Landwirtschaftsausstellung AGRA (Leipzig-Markkleeberg) hervor. Den Grundstock der Sammlung zum DDR-Amateurfilm bilden die Filme des Zentralhauses für Kulturarbeit und des „Technischen Zentrums Amateurfilm“. Auch konnten Bestände von privaten Filmherstellern und Pionierfilmstudios akquiriert werden.

Seit 2010 widmet sich das Sächsische Staatsarchiv verstärkt der Digitalisierung und Verfügbarmachung ihrer AV-Bestände. Aktuell sind Filme und Audiodateien in einem vierstelligen Bereich digitalisiert. Der Gesamtbestand und die Liste der Digitalisate sind aber nicht online recherchierbar.

Die Website des Sächsischen Staatsarchivs weist 158 Filme nach, darunter Arbeiten des Tierfilmers Heinz Meynhardt und Aufnahmen des Kombinats Nachrichtenelektronik Leipzig. Sechs der digitalisierten Filme sind auf der Website des Archivs online einsehbar. Als einmalige Aktion hat das Sächsische Staatsarchiv zudem auf YouTube neun weitere digitalisierte Filme eingestellt.

Bestandsübersicht: Sachsen in „Bild und Ton“

[2019/08/30]

Sicherung historischer Film- und Tonaufnahmen in Sachsen

Koordinierungsstelle „Sächsisches audio-visuelles Erbe“

30. August 2019. – Die Sicherung historischer Film-, Video- und Tonaufnahmen im Freistaat Sachsen hat begonnen. Dafür nahm die Koordinierungsstelle „Sächsisches audio-visuelles Erbe“ an der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB) ihre Arbeit auf. Das Sächsische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst fördert das Vorhaben in diesem und im nächsten Jahr mit je 350.000 Euro.

Ein wichtiger Schritt ist der Aufbau einer technischen Infrastruktur, die den datenintensiven Prozessen gerecht wird. Bereits im ersten Programmjahr 2019 werden 500 Medieneinheiten mit einem Datenumfang von rund 30 Terabyte digitalisiert. Im Folgejahr können damit 430 Stunden Film-, Video und Tondokumente zur öffentlichen Nutzung bereitgestellt werden.

Geographisch berücksichtigt die Auswahl Zeugnisse aus der Landeshauptstadt Dresden, aus Westsachsen, der Lausitz und dem Erzgebirge. Die Filme aus der Zeit von 1921 bis 1995 präsentieren regional bedeutsame Ereignisse und die Pflege der sorbischen Kultur und liefern Einblicke in den Nachwendealltag der 1990er Jahre aus der Sicht des Lokalfernsehens.

Von 2016 bis 2018 hatte das Kunstministerium eine Pilotphase gefördert, die u.a. den Umfang der in Sachsen überlieferten audio-visuellen Medien ermittelte. Im Rahmen von fünf Modellprojekten mit Partnern in Bautzen, Chemnitz, Oelsnitz, Borna und Dresden sind bereits 370 Stunden Film und Video digitalisiert.

Abhängig von den rechtlichen Vereinbarungen ist nur ein Teil der digitalisierten Filme online zugänglich. Mittelfristig ist eine weitgehende Verfügbarmachung auf Sachsen.Digital geplant.

Einige digitalisierte sorbische Filme sind in der Mediathek der SLUB sowie bei Filmportal.de eingestellt.

233 Medien des Sendearchivs des Vogtland-Regional-Fernsehens können aus rechtlichen Gründen vorerst nur im Historischen Archiv des Vogtlandkreises am elektronischen Leseplatz eingesehen werden; ein Online-Findbuch erleichtert die Recherche.

[2019/08/15]

DEFA-Stiftung übergibt 500. DCP an den Verleih

15. August 2019. – Die DEFA-Stiftung hat die 500. digitale Verleihkopie (DCP, d.h. Digital Cinema Package) an den Filmverleih der Deutschen Kinemathek übergeben. Es handelt sich um die Literaturverfilmung „Sehnsucht“ (1990) von Jürgen Brauer mit Ulrike Krumbiegel, Thomas Büchel und Ulrich Mühe.Die Handlung der poetisch-metaphorischen Dreiecksgeschichte spielt in der Lausitz und in Paris.

Die digitale Restaurierung von „Sehnsucht“ wurde von der ARRI Media GmbH durchgeführt, seit vielen Jahren Partner der DEFA-Stiftung.

Die Website der DEFA-Stiftung gibt eine Übersicht über die bisher digitalisierten Filme. Alle Digitalisate stehen auch für die Fernseh-, DVD- und Streaming-Auswertung zur Verfügung.

Für Kinovorführungen können die Filme über den DEFA-Filmverleih der Deutschen Kinemathek gebucht werden; aktuell sind dort 503 DEFA-Filme eingestellt.

[2019/07/27]

Digitalisierung nach kuratorischem Interesse entscheidend eingeschränkt

Halbjahresbilanz 2019 des Förderprogramms

25. Juli 2019. – Wie die Filmförderungsanstalt auf Anfrage bestätigt, kann einzig und allein der Inhaber der Verwertungsrechte eines Films eine Digitalisierungsförderung nach kuratorischem Interesse beantragen. Mit dieser Einschränkung sind große Teile des Filmerbes, die entweder bereits rechtefrei sind oder als „verwaist“ gelten, da kein Rechteinhaber bekannt ist, von einer Digitalisierung nach kuratorischen Aspekten – also insbesondere für Kinoaufführungen – ausgeschlossen. Dies zeigen auch die Förderentscheide des ersten Halbjahres mit Stand Mai 2019: Bisher wurden nach kuratorischem Interesse ausschließlich Filme gefördert, die nach 1949 entstanden.

Weder Filmwissenschaftler noch Kuratoren noch Programmveranstalter können Filme zur Digitalisierung vorschlagen. Damit sind die wichtigsten Akteure im Bereich der Filmforschung und Filmvermittlung von einer Antragstellung nach kuratorischem Interesse ausgeschlossen.

In seinem Positionspapier zur Digitalisierung des Filmerbes von Ende 2015 hatte der Kinematheksverbund noch angekündigt, bei der Priorisierung der Digitalisierungsmaßnahmen die in Deutschland archivierten Filme „ungeachtet der Rechtesituation“ in Betracht zu ziehen. Auch „Vorstellungen anderer filmarchivischer und filmwissenschaftlicher Institutionen“ sollten „angemessen in die Priorisierung“ einbezogen werden.

Die Förderentscheide zur Digitalisierung des nationalen Filmerbes finden sie hier

[2019/07/15]

heute-journal: „Deutsches Filmerbe in Gefahr“

Deutsche Filmarchive finanziell und personell unzureichend ausgestattet

15. Juli 2019. – In einem Beitrag für das ZDF heute-journal vom 8. Juli zieht Christian von Rechenberg ein düstere Bilanz der Filmarchivierung in Deutschland. Dem deutschen Filmerbe drohe ein unwiederbringlicher Verlust: „Ohne zusätzliches Geld läuft das Rennen gegen die Zeit in Zeitlupe.“

Ernst Szebedits von der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung und Rainer Rother von der Deutschen Kinemathek beklagen die personelle Ausdünnung der Archive. Rother weist zudem darauf hin, dass die finanziellen Möglichkeiten der Archive nicht mit ihren Aufgaben gewachsen sein: „Das müsse man ändern.“

heute journal vom 08.07.2019; Video verfügbar bis 08.07.2020

[2019/07/10]

Schweiz: Der digitale Filmriss droht

Verlust des analogen Filmerbes befürchtet

10. Juli 2019. – In einem längeren Beitrag für das digitale Magazin „Republik“ vom 29. April beklagt der Filmwissenschaftler Simon Spiegel, dass das Schweizer filmgeschichtliche Erbe derzeit kaum zugänglich sei. Reprisenkinos, Wissenschaftler, Kulturschaffende und Schulen seien „faktisch von über hundert Jahren Filmgeschichte abgeschnitten.“

Dem Verlust des analogen Films, der Kopierwerke und Vorführmöglichkeiten könne nur durch die Digitalisierung des Filmerbes begegnet werden. In der Schweiz stünden dieser Lösung aber erhebliche Schwierigkeiten entgegen, so dass eine groß angelegte Digitalisierungsoffensive „noch nicht einmal am Horizont“ aufscheine. „Der Grund ist eine typisch helvetische Mischung aus Föderalismus, Beamtendenken und der Angst vor großen Würfen. Niemand fühlt sich wirklich zuständig, und jenen, die zuständig sein könnten, mangelt es an der nötigen Fantasie.“

Spiegel diskutiert dann die Interessenlage der verschiedenen Akteure. „Auf Nachfrage hin heißt es zwar praktisch überall, dass man mit den übrigen Akteuren im Austausch stehe, eine echte Koordination fehlt jedoch. Es gibt kein Gremium, das den Überblick über die verschiedenen Digitalisierungsbemühungen hat, geschweige denn einen Masterplan, welche Bestände bis wann digital zugänglich gemacht werden sollen.“

Als Ausweg schlägt er vor, die Digitalisierung des Schweizer Filmerbes nicht … [mehr…] Der digitale Filmriss (Republik, 29.4.2019)

[2019/07/04]

Österreich: Film Preservation Center weiterhin im Gespräch

Auch langfristige analoge Sicherung geplant – Wie geht es nach der Regierungskrise weiter?

4. Juli 2019. – Wie aus der Antwort von Gernot Blümel, dem Bundesminister für EU, Kunst, Kultur und Medien vom 29. März 2019 auf eine Anfrage zu Erhalt und Digitalisierung des Filmerbes hervorgeht, ist das geplante österreichische „Film Preservation Center“ weiterhin im Gespräch. Es sei „Teil einer Gesamtstrategie für das österreichische Filmerbe, an der wir gemeinsam u.a. mit dem Filmarchiv Austria, dem Österreichischen Filmmuseum und der Filmbranche arbeiten. Im Zuge dieses derzeit noch offenen Prozesses finden regelmäßige Gespräche in unterschiedlicher Konstellation statt.“

Ziel sei es, das filmische Erbe in Österreich langfristig zu sichern, verfügbar zu machen und zu vermitteln. Dazu sei es auch notwendig, „dass die analoge Filmproduktion, -bearbeitung und auch die Sicherung in Form eines „Film Preservation Centers“ in Österreich wieder möglich ist.“ Gegenwärtig würden „sowohl das Konzept des „Film Preservation Centers“ als auch die dafür notwendigen finanziellen Mittel aktualisiert. Darauf aufbauende konkrete Planungsschritte sollen noch in diesem Jahr vorliegen.“ Es bleibt abzuwarten, ob und wie die Ende September 2019 neu zu wählende Regierung diese Planungen vorantreiben wird.

Die Antwort von Bundesminister Blümel gibt zudem einen guten Überblick und umfangreiches Zahlenmaterial zur besondere Situation des Filmerbes in Österreich.

Vollständiger Text der Anfrage und der Antwort von Gernot Blümel

[2019/06/19]

„Keep film on film“

BFI will 35mm-Kopien von 100 Filmklassikern herstellen – Spendenaufruf

19. Juni 2019. – Mit dem Aufruf „We need your help to keep 35mm film at the forefront of the cinema experience“ startet das British Film Institute (BFI) eine Spendenkampagne. In einem auf fünf Jahre angelegten Programm sollen 100 neue 35mm-Kopien von Filmklassikern des britischen und internationalen Kinos gezogen werden.

Bei ordnungsgemäßer Vorführung und sachgemäßer Lagerung würden diese 35mm-Kopien Generationen überdauern. Im Aufruf heißt es:

„As the art form of projecting films in their original format becomes increasingly endangered, we need to act now to ensure that our cinema histories are not lost, and make sure that audiences today and tomorrow have the opportunity to enjoy the flickering, textured magic that only projecting real celluloid film on the big screen can bring.“

Zum Spendenaufruf

[2019/06/18]

Ende des analogen Kopierwerks im Bundesarchiv

Einstellung am 18. Juni 2019

18. Juni 2019. – Wie das Bundesarchiv auf Anfrage mitteilt, hat es die Arbeiten im analogen Kopierwerk eingestellt. Zuletzt wurden noch Start- und Endbänder sowie Blank- und Schwarzfilm für den internen Gebrauch kopiert.

Die letzten drei für die Benutzung analog kopierten Filme waren die „Tobis-Wochenschau 46/1938“, der in der Auslandsinformation eingesetzte DEFA-Dokumentarfilm „Humboldt-Ehrungen in der DDR“ (1969) sowie der Spielfilm „Tötet nicht mehr!“ (1919) von Lupu Pick.

[2019/05/19]

Förderprogramm Filmerbe: Zweiter Durchgang

Zwei Millionen Euro für 45 Filme

19. Mai 2019. – Das Förderprogramm Filmerbe hat Anfang Mai rund zwei Millionen Euro für die Digitalisierung von weiteren 45 Filmen bewilligt.

Im Bereich kuratorisches Interesse erhält die DEFA-Stiftung 112.000,00 € für die Digitalisierung des DDR-Verbotsfilms „Fräulein Schmetterling“; der Film kann auf DCP bei der Deutschen Kinemathek ausgeliehen werden. Die Deutsche Kinemathek ebenso wie die Edgar Reitz Filmproduktion digitalisieren Filme von Peter Lilienthal. Ferner werden Arbeiten von Helma Sanders-Brahms und Ula Stöckl digitalisiert. Das Deutsche Filminstitut kann „Zeit für Träumer“ (1969) von Wolfgang Urchs sowie die bereits auf DVD vorliegenden Titel „Ich bin ein Elefant, Madame“ (1969) von Peter Zadek und „Sierra Leone“ (1987) von Uwe Schrader digitalisieren.

Aus konservatorischen Interesse erhalten „Eine Tolle Nacht“ (1926, R: Richard Oswald), „Ariane“ (1931, R: Paul Czinner), „Kuhle Wampe“ (1932, R: Slatan Dudow) – der bereits auf DVD vorliegt –, „Der ewige Traum“ (1934, R: Arnold Fanck), der Ufa-Städtefilm „Besuch in Frankfurt am Main“ (1936) sowie „Herz der Welt“ (1952, R: Harald Braun) Digitalisierungsmittel.

Auf Antrag von Film Shift (München) werden Filme von Angela Schanelec, Christian Petzold, Thomas Heise und Ulrich Köhler für die Auswertung digitalisiert. Die Kinemathek Hamburg kann Hark Bohms „Nordsee ist Mordsee“ von 1975 … [mehr…] Liste der im zweiten Durchgang geförderten Titel

[2019/04/29]

Förderprogramm Filmerbe: Erste Entscheidungen für 2019

1,7 Mio. Euro für die Digitalisierung von 50 Filmtiteln

29. April 2019. – Zum Jahresbeginn startete das neue Förderprogramm Filmerbe, das jährlich bis zu zehn Millionen Euro für die Digitalisierung von deutschen Kinofilmen bereitstellt. Im April trafen sich auch erstmalig die beiden Gremien, die über Anträge zur Digitalisierung aus kuratorischem Interesse oder aus konservatorischer Notwendigkeit entscheiden. Das Gremium „kuratorisches Interesse“ umfasst sechs, das Gremium „konservatorisches Interesse“ drei Mitglieder. Die Liste der Mitglieder und ihrer Stellvertreter ist auf der Seite der Filmförderungsanstalt einsehbar.

19 Filme werden aus filmhistorischem Interesse, 16 nach Auswertungsinteresse und 15 zwecks Materialsicherung gefördert. Insgesamt wurden 1.715.332,72 Euro für die Digitalisierung von 50 Filmtiteln vergeben.

Die DEFA-Stiftung, das Deutsche Filminstitut und die Stiftung Deutsche Kinemathek erhalten Gelder für ihre Anträge nach dem kuratorischen Interesse, die Deutsche Filminstitut und die Stiftung Deutsche Kinemathek für konservatorische Digitalisierungen.

Am teuersten ist die Sicherung von DAS GROßE LICHT (1920) von Hanna Henning mit Emil Jannings (knapp 70.000 Euro) und DIE SPUR FÜHRT NACH BERLIN (1952) von František Čáp (rund 61.000 Euro), der bereits auf DVD vorliegt.

Bei der Digitalisierungsförderung nach kuratorischem Interesse schlagen DIE VERTREIBUNG AUS DEM PARADIES (1976) von … [mehr…] Liste der ersten für 2019 geförderten Titel

[2019/03/22]

Massendigitalisierung statt Vorführkopien

Neue Ausrichtung des Bundesarchivs – Konzentration auf das Archivgut des Bundes

22. März 2019. – Das Bundesarchiv setzt bei der Sicherung der analog überlieferten Filme auf Massendigitalisierung, d.h. es sollen prinzipiell alle im Bundesarchiv vorhandenen rund 155.000 Filme digitalisiert werden. Bei eindeutiger inhaltlicher Redundanz wird aber nur das technisch bessere Stück digitalisiert. Bei der Digitalisierung konzentriert sich das Bundesarchiv auf das filmische Erbe des Bundes, das zudem vorrangig erschlossen wird.

Die neue Ausrichtung der Filmabteilung des Bundesarchivs geht aus dem letzten Heft der Zeitschrift Forum von Dezember 2018 hervor und wurde am 12. März vom Präsidenten des Bundesarchivs Michael Hollmann bei einem Pressegespräch präzisiert.

Primär versteht sich das Bundesarchiv als Archiv und nicht als Filmverleih; der sichernde und bewahrende Charakter der Digitalisierung hat Vorrang. Die Bearbeitung und Rekonstruktion von analog überlieferten Filme mit dem Ziel einer Aufführung ist nicht mehr prioritär und soll nur noch in wenigen ausgewählten Fällen erfolgen. Fortan bleibt es Benutzern wie etwa Filmproduktionen und kommunalen Kinos überlassen, die vom Bundesarchiv hergestellten Rohscans qualitativ zu bearbeiten und in ein verwertbares Format umzuwandeln. Tatsächlich verleiht das Bundesarchiv ausweislich der Datenbank Benutzungsmedien Film Online (Stand: 4. Februar 2019) aktuell nur sieben DCPs.

Bei externen … [mehr…]

[2019/02/13]

Plädoyer für eine "hybride Lösung"

Michael Loebenstein beklagt Stillstand beim Aufbau des Film Preservation Center

13. Februar 2019. - Am 5. Februar 2019 veröffentlichte der Wiener Standard eine Replik von Michael Loebenstein auf einen Artikel von Dirk Alt vom 29. Januar (Das digitale Dilemma, in: Der Standard, Wien). Loebenstein, Direktor des Österreichischen Filmmuseums und Generalsekretär der Internationalen Vereinigung der Filmarchive (FIAF), ist mit Alt darin einig, dass es wichtig sei, das filmische Erbe und den Film als Kulturtechnik in ihrer "physischen Materialität" zu erhalten. Österreich habe mit dem Konzept "Film Preservation Center" in diesem Sinne einen bemerkenswerten Schritt getan. "Passiert ist allerdings seit fast zwei Jahren gar nichts."

Loebenstein verwirft den Gedanken einer "digitalen Sicherung" nicht vollständig, sondern spricht sich für eine "hybride Lösung" aus. Er verweist auf internationale Bemühungen um Dateiformate und Datenträger, "die nichtprofitorientierten Archiven und Museen erlauben, digital erzeugte Werke wie auch Scans von analogen Filmen langfristig verfügbar zu halten." Es sei daher notwendig, parallel zur Erhaltung der analogen Techniken und der Pflege des analogen Filmbestands "in den Aufbau einer auf offenen Standards basierenden digitalen Langzeitsicherung zu investieren. Alles andere ist falsche Orthodoxie."

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[2019/02/12]

Digitalisierung als Placebo

Dominik Graf über die 4K-Restaurierung seines Films „Der Sieger“ von 1994

11. Februar 2019. – In einem Interview mit der taz (7.2.2019) kommentierte Dominik Graf die auf der Berlinale vorgestellte Digitalisierung seines Films „Der Sieger“ (1994). Im Gespräch mit Barbara Wurm äußerte er sich zufrieden, „dass dieser Film jetzt existiert.“ Das Negativ und alle anderen Materialien seien seinerzeit weggeschmissen worden. So konnten für die Restaurierung und Digitalisierung die auf Wunsch des Verleihs geschnittenen Szenen nur noch von einer VHS in entsprechend niedriger Qualität übernommen werden.

Auf die Frage zu seinem Verhältnis zur Digitalisierung antwortete Graf: „Ich kann nur immer wieder sagen: Film ist Film. 16mm, 35mm, Super 8. Alles andere ist der Versuch eines Placebos. Dass auf die Dauer wahrscheinlich, durch wirtschaftliche Interessen, dieses Filmmaterial nicht mehr vorkommt, ist eine Katastrophe. Trotzdem wäre es noch katastrophaler, wenn bestimmte Filme überhaupt nicht mehr zu sehen sein würden.“

Graf akzeptiert die Digitalisierung „als konservierenden Wert“ und gibt zu bedenken: „Für mich ist das Material „Film“ das Rettenswerte, aber bevor die Filme ganz verschwinden, ist klar, dass man auch mit so einer 4K-Restauration vorlieb nimmt. Aber es bleibt ein Placebo!“

Zum vollständigen Interview

[2019/01/01]

Förderprogramm Filmerbe startet

Filmförderungsanstalt (FAA) federführend

1. Januar 2019. – Am 1. Januar 2019 startet das Förderprogramm Filmerbe. Für einen Zeitraum von zehn Jahren stehen jährlich bis zu zehn Millionen Euro für die Digitalisierung von deutschen Kinofilmen zur Verfügung. Die Mittel werden vom Bund, den Ländern und der Filmförderungsanstalt (FAA) zu jeweils einem Drittel aufgebracht. Die Digitalisierung erfolgt nach Auswertungsinteresse, kuratorischem Interesse (aufgrund einer Nachfrage oder um die filmhistorische Vielfalt zu erhalten) und konservatorischer Notwendigkeit (aufgrund von Materialgefährdung). Die Förderungen werden von der Filmförderungsanstalt (FAA) gewährt.

Über eine Förderung nach kuratorischem und konservatorischem Interesse entscheidet jeweils ein Expertengremium. Über eine Förderung nach einem Auswertungsinteresse befindet wie bisher der Vorstand der FAA. Der zu digitalisierende Film soll im Kino aufgeführt worden oder kinotauglich sein. Nicht gefördert werden Filme, die „ursprünglich, primär oder ausschließlich für das Fernsehen oder den direkten Vertrieb über Video, DVD oder VOD produziert wurden.“

Antragsberechtigt sind die Rechteinhaber; im Falle einer Digitalisierung aus konservatorischen Gründen können Archive und Filmerbeeinrichtungen auch ohne Rechtenachweis Anträge stellen. Nicht antragsberechtigt sind Behörden der unmittelbaren Staatsverwaltung, Gemeinden und Rundfunkveranstalter. Eine … [mehr…] Richtlinie und Antragsformulare zum Förderprogramm Filmerbe


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