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[2017/10/07]

„Die Institutionen aus ihrer Selbstgefälligkeit aufscheuchen“

Michael Loebenstein über das österreichische Filmerbe

7. Oktober 2017. – In einem Interview mit dem in Wien erscheinenden Standard vom 28. September 2017 spricht Michael Loebenstein, der neue Direktor des Österreichischen Filmmuseums, auch das Problem des Filmerbes an und plädiert für eine „hybride Lösung“ für eine absehbare Zeit: „Solange es geht, muss man analog, auf Film, sichern. Film ist das sicherste Format. Aber es ist illusorisch zu glauben, dass man die ganze Filmgeschichte über einen Kamm scheren kann. Es gibt Formate, bei denen die analoge Sicherung nicht medienadäquat wäre. Man muss auch digital sichern, und es braucht eine klare politische Strategie für beides, sonst besteht die Gefahr, dass man im Digitalen wiederum über Jahre ins Hintertreffen gerät. Es geht darum, die Institutionen aus ihrer Selbstgefälligkeit aufzuscheuchen.“

Loebenstein geht von einem finanziellen Bedraf von „etlichen Millionen in einem relativ kurzen Zeitraum“ aus, wobei noch die Folgekosten für die Aufrechterhaltung der digitalen Daten hinzukommen.

In Österreich gibt es kein analoges Kopierwerk mehr und das von Kulturminister Drozda (SPÖ) angekündigte „Filmpreservation Center“ scheint derzeit auf Eis zu liegen: „Gleichzeitig gibt es für die digitale Restaurierung keinen Plan und keine Infrastruktur. Es gibt dazu auch im Filmmuseum und im Filmarchiv Austria keine transparente und schlüssige Politik. In anderen Ländern geht die Debatte dahin, dass man das Analoge verteidigen muss, das Wissen und die Technik also behält und zugleich das Filmerbe digitalisiert.“
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