Aktuell

[2020/03/15]

Stellungnahmen zum neuen Filmförderungsgesetz

Auch Anregungen zur Digitalisierung des Filmerbes

15. März 2020. – Anlässlich der Ausarbeitung eines neuen Filmförderungsgesetzes (FFG) haben die Arbeitsgruppen für Kultur und Medien der Koalitionsfraktionen CDU/CSU und SPD gemeinsame „Eckpunkte zur Novelle des Filmförderungsgesetzes“ vorgelegt. Darin bekennen sie sich zur Digitalisierung des Filmerbes, schlagen aber vor, das Thema aus dem Aufgabenkatalog (§ 2) der Filmförderungsanstalt (FFA) herauszunehmen. Auf Nachfrage wurde präzisiert, dass die Digitalisierung des deutschen Filmerbes eine „sehr wichtige Aufgabe, geradezu eine Jahrhundert-Aufgabe“ sei und das Förderprogramm Filmerbe nicht in Frage gestellt werde. Allerdings solle die Sicherung des Filmerbes zukünftig nicht mehr als „primäre Aufgabe der Filmbranche“, sondern als „öffentliche Aufgabe“ angesehen werden. Schließlich, so hieß es, würden die Deutsche Nationalbibliothek und die Deutsche Digitale Bibliothek auch nicht von den Verlagen getragen.

Einige der von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) um eine Stellungnahme gebetenen Verbände und Organisationen kommentierten auch die Digitalisierung des Filmerbes.

  • Dem Bundesverband kommunale Filmarbeit e.V. zufolge fehle bislang ein schlüssiges Konzept zur Sicherung des audiovisuellen Erbes. So werde etwa nicht berücksichtigt, dass Filmgeschichte über sehr verschiedene Institutionen verstreut sei und sich teilweise sogar in Privatbesitz befinde. Aus konservatorischen Gründen wird „die Sicherung des Analogmaterials und die Sicherstellung von analogen Kopien zum Kinoabspiel“ gefordert. Zur Förderung des Abspiels sollten auch ausländische Filme mit deutschen Untertiteln in deutschen Archiven und Sammlungen zugänglich gemacht werden sowie das Abspiel filmhistorischer Werke mit Referenzpunkten honoriert werden, die zu einer Förderhilfe führen. Bei der Digitalisierungsförderung sollte neben konservatorischen Aspekten vor allem die Kinoauswertung berücksichtigt werden. „Das Filmerbe muss gesichert, aber auch öffentlich präsentiert werden.“
  • Auch die AG Filmfestival legt den Schwerpunkt ihrer Anregungen auf die öffentliche Sichtbarkeit des Filmerbes. So schlägt sie vor, den Punkt „Digitalisierung“ im Aufgabenbereich der FFA um die „Sicherung von Kopien und Negativen“ zu ergänzen. Dies würde die Vorführung von Werken der Filmgeschichte im Rahmen von filmhistorischen Programmen oder Filmfestivals erleichtern. Aus konservatorischer Sicht müssten zudem analoge Filme auch analog gesichert werden, „um Filmgeschichte zu erhalten und Gesamtwerke von Filmschaffenden weiterhin präsentieren zu können.“ Um die öffentliche Sichtbarkeit des Filmerbes zu fördern, sollten Kinos, „die mindestens 20 Prozent ihrer Besucherinnen oder Besucher mit filmhistorischen Werken erwirtschaften“, einen Referenzpunkt pro Besucherin oder Besucher erhalten. Bei der Digitalisierungsförderung sollten zudem auch ausländische Filme in deutschen Archiven und Sammlungen „von besonderer filmhistorischer Bedeutung“ berücksichtigt werden.
  • Der Verband der deutschen Filmkritik e.V. diskutiert die Pflege des historischen Filmerbes unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit. Er beschreibt die Situation der Archive, den Zustand der alten Filmkopien sowie die Zugänglichkeit älterer Filme als „desaströs“. Er fordert daher, die finanzielle Ausstattung der Archive und deren Etat für Restaurierungen „deutlich“ zu erhöhen. „Ein Kinoarchiv ist nicht weniger wichtig als eine Bibliothek oder ein Museum für bildende Kunst.“ Auch private Archive müssten gefördert werden. Die Schließung des letzten staatlich betriebenen Kopierwerks sei eine Schande und sollte umgehend rückgängig gemacht werden. Um das Abspielen von Werken der Filmgeschichte zu fördern, sei auch die Einrichtung und Instandhaltung „von sogenannten Hybridkinos mit 35mm-und 16mm-Projektoren über die Kinematheken hinaus“ zu fördern.
  • Vision Kino würde es begrüßen, „dass die Förderung einer Repertoire-Digitalisierung nur dann erfolgt, wenn mittelfristig sichergestellt werden kann, dass der Film in der digitalen Fassung auch für eine Kinoauswertung zur Verfügung steht.“
  • Die AG Kino (Gilde deutscher Filmkunsttheater) möchte prüfen, ob die FFA bei der Sicherung des Filmerbes „der richtige Financier“ sei.
  • Der Verband Technischer Betriebe für Film & Fernsehen befürwortet den Erhalt des Förderprogramms Filmerbe.
  • Liste aller Stellungnahmen zur Novellierung des FFG


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