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Die Initiative „Filmerbe in Gefahr“ will mit dieser Internetseite die akuten Probleme unserer Filmarchive stärker ins Bewusstsein rufen und über die Fachdebatte informieren, die bisher überwiegend von Experten geführt wird.

Wir wollen vor allem die Verantwortlichen in Bund und Ländern bewegen, die dauerhafte Sicherung unseres filmischen Kulturerbes und seine zügige Digitalisierung stärker zu fördern sowie den Zugang zur Filmgeschichte im Kino und im Internet zu erleichtern.

Die Initiative „Filmerbe in Gefahr“ geht auf einen Aufruf zur Sicherung des Filmerbes zurück, der im November 2013 mehr als 5500 Unterzeichner fand. (Jeanpaul Goergen, Klaus Kreimeier)

[2019/05/19]

Förderprogramm Filmerbe: Zweiter Durchgang

Zwei Millionen Euro für 45 Filme

19. Mai 2019. – Das Förderprogramm Filmerbe hat Anfang Mai rund zwei Millionen Euro für die Digitalisierung von weiteren 45 Filmen bewilligt.

Im Bereich kuratorisches Interesse erhält die DEFA-Stiftung 112.000,00 € für die Digitalisierung des DDR-Verbotsfilms „Fräulein Schmetterling“; der Film kann auf DCP bei der Deutschen Kinemathek ausgeliehen werden. Die Deutsche Kinemathek ebenso wie die Edgar Reitz Filmproduktion digitalisieren Filme von Peter Lilienthal. Ferner werden Arbeiten von Helma Sanders-Brahms und Ula Stöckl digitalisiert. Das Deutsche Filminstitut kann „Zeit für Träumer“ (1969) von Wolfgang Urchs sowie die bereits auf DVD vorliegenden Titel „Ich bin ein Elefant, Madame“ (1969) von Peter Zadek und „Sierra Leone“ (1987) von Uwe Schrader digitalisieren.

Aus konservatorischen Interesse erhalten „Eine Tolle Nacht“ (1926, R: Richard Oswald), „Ariane“ (1931, R: Paul Czinner), „Kuhle Wampe“ (1932, R: Slatan Dudow) – der bereits auf DVD vorliegt –, „Der ewige Traum“ (1934, R: Arnold Fanck), der Ufa-Städtefilm „Besuch in Frankfurt am Main“ (1936) sowie „Herz der Welt“ (1952, R: Harald Braun) Digitalisierungsmittel.

Auf Antrag von Film Shift (München) werden Filme von Angela Schanelec, Christian Petzold, Thomas Heise und Ulrich Köhler für die Auswertung digitalisiert. Die Kinemathek Hamburg kann Hark Bohms „Nordsee ist Mordsee“ von 1975 digitalisieren; der Regisseur feierte am 18. Mai seinen 80. Geburtstag.

Liste der im zweiten Durchgang geförderten Titel

[2019/04/29]

Förderprogramm Filmerbe: Erste Entscheidungen für 2019

1,7 Mio. Euro für die Digitalisierung von 50 Filmtiteln

29. April 2019. – Zum Jahresbeginn startete das neue Förderprogramm Filmerbe, das jährlich bis zu zehn Millionen Euro für die Digitalisierung von deutschen Kinofilmen bereitstellt. Im April trafen sich auch erstmalig die beiden Gremien, die über Anträge zur Digitalisierung aus kuratorischem Interesse oder aus konservatorischer Notwendigkeit entscheiden. Das Gremium „kuratorisches Interesse“ umfasst sechs, das Gremium „konservatorisches Interesse“ drei Mitglieder. Die Liste der Mitglieder und ihrer Stellvertreter ist auf der Seite der Filmförderungsanstalt einsehbar.

19 Filme werden aus filmhistorischem Interesse, 16 nach Auswertungsinteresse und 15 zwecks Materialsicherung gefördert. Insgesamt wurden 1.715.332,72 Euro für die Digitalisierung von 50 Filmtiteln vergeben.

Die DEFA-Stiftung, das Deutsche Filminstitut und die Stiftung Deutsche Kinemathek erhalten Gelder für ihre Anträge nach dem kuratorischen Interesse, die Deutsche Filminstitut und die Stiftung Deutsche Kinemathek für konservatorische Digitalisierungen.

Am teuersten ist die Sicherung von DAS GROßE LICHT (1920) von Hanna Henning mit Emil Jannings (knapp 70.000 Euro) und DIE SPUR FÜHRT NACH BERLIN (1952) von František Čáp (rund 61.000 Euro), der bereits auf DVD vorliegt.

Bei der Digitalisierungsförderung nach kuratorischem Interesse schlagen DIE VERTREIBUNG AUS DEM PARADIES (1976) von Nikolaus Schilling (bereits auf DVD/Blu-ray erhältlich) und GORLEBEN: DER TRAUM VON EINER SACHE (1981/82, R: Niels Bolbrinker u.a.) mit jeweils rund 61.000 Euro zu Buche.

Liste der ersten für 2019 geförderten Titel

[2019/03/22]

Massendigitalisierung statt Vorführkopien

Neue Ausrichtung des Bundesarchivs – Konzentration auf das Archivgut des Bundes

22. März 2019. – Das Bundesarchiv setzt bei der Sicherung der analog überlieferten Filme auf Massendigitalisierung, d.h. es sollen prinzipiell alle im Bundesarchiv vorhandenen rund 155.000 Filme digitalisiert werden. Bei eindeutiger inhaltlicher Redundanz wird aber nur das technisch bessere Stück digitalisiert. Bei der Digitalisierung konzentriert sich das Bundesarchiv auf das filmische Erbe des Bundes, das zudem vorrangig erschlossen wird.

Die neue Ausrichtung der Filmabteilung des Bundesarchivs geht aus dem letzten Heft der Zeitschrift Forum von Dezember 2018 hervor und wurde am 12. März vom Präsidenten des Bundesarchivs Michael Hollmann bei einem Pressegespräch präzisiert.

Primär versteht sich das Bundesarchiv als Archiv und nicht als Filmverleih; der sichernde und bewahrende Charakter der Digitalisierung hat Vorrang. Die Bearbeitung und Rekonstruktion von analog überlieferten Filme mit dem Ziel einer Aufführung ist nicht mehr prioritär und soll nur noch in wenigen ausgewählten Fällen erfolgen. Fortan bleibt es Benutzern wie etwa Filmproduktionen und kommunalen Kinos überlassen, die vom Bundesarchiv hergestellten Rohscans qualitativ zu bearbeiten und in ein verwertbares Format umzuwandeln. Tatsächlich verleiht das Bundesarchiv ausweislich der Datenbank Benutzungsmedien Film Online (Stand: 4. Februar 2019) aktuell nur sieben DCPs.

Bei externen Dienstleistern hat das Bundesarchiv bis Jahresende 2018 etwa 1.400 analoge Filme digitalisieren lassen. Für Interessenten besteht aber noch keine Möglichkeit, diese Digitalisate zu sichten. Derzeit installiert das Bundesarchiv am Standort Hoppegarten einen eigenen Scanner; die Anschaffungskosten belaufen sich auf rund eine Million Euro. Perspektivisch soll am Standort Koblenz ein weiterer Scanner in Betrieb gehen.

Da im Rahmen des über die Filmförderungsanstalt abgewickelten Förderprogramms Filmerbe jeweils auch ein Exemplar des digitalisierten Films im Bundesarchiv eingelagert werden muss, wird sich das Haus zwangsläufig zum digitalen Film-Langzeitgedächtnis der Bundesrepublik entwickeln. Mit dieser Aufgabe sieht sich das Bundesarchiv über das eigene Vermögen hinaus übermäßig belastet und verlangt einen „fairen Lastenausgleich“ im Rahmen der Haushaltsplanungen. Aktuell umfasst der Speicher des Bundesarchivs für die Sicherung digitaler Filme 10.000 Bänder mit einer Kapazität von je 12 Terabyte, also insgesamt ca. 120 Petabyte – nach einiger Aussage die derzeit größte Anlage Europas im archivischen Bereich.

[2019/02/13]

Plädoyer für eine "hybride Lösung"

Michael Loebenstein beklagt Stillstand beim Aufbau des Film Preservation Center

13. Februar 2019. - Am 5. Februar 2019 veröffentlichte der Wiener Standard eine Replik von Michael Loebenstein auf einen Artikel von Dirk Alt vom 29. Januar (Das digitale Dilemma, in: Der Standard, Wien). Loebenstein, Direktor des Österreichischen Filmmuseums und Generalsekretär der Internationalen Vereinigung der Filmarchive (FIAF), ist mit Alt darin einig, dass es wichtig sei, das filmische Erbe und den Film als Kulturtechnik in ihrer "physischen Materialität" zu erhalten. Österreich habe mit dem Konzept "Film Preservation Center" in diesem Sinne einen bemerkenswerten Schritt getan. "Passiert ist allerdings seit fast zwei Jahren gar nichts."

Loebenstein verwirft den Gedanken einer "digitalen Sicherung" nicht vollständig, sondern spricht sich für eine "hybride Lösung" aus. Er verweist auf internationale Bemühungen um Dateiformate und Datenträger, "die nichtprofitorientierten Archiven und Museen erlauben, digital erzeugte Werke wie auch Scans von analogen Filmen langfristig verfügbar zu halten." Es sei daher notwendig, parallel zur Erhaltung der analogen Techniken und der Pflege des analogen Filmbestands "in den Aufbau einer auf offenen Standards basierenden digitalen Langzeitsicherung zu investieren. Alles andere ist falsche Orthodoxie."

Zum Artikel

[2019/02/12]

Digitalisierung als Placebo

Dominik Graf über die 4K-Restaurierung seines Films „Der Sieger“ von 1994

11. Februar 2019. – In einem Interview mit der taz (7.2.2019) kommentierte Dominik Graf die auf der Berlinale vorgestellte Digitalisierung seines Films „Der Sieger“ (1994). Im Gespräch mit Barbara Wurm äußerte er sich zufrieden, „dass dieser Film jetzt existiert.“ Das Negativ und alle anderen Materialien seien seinerzeit weggeschmissen worden. So konnten für die Restaurierung und Digitalisierung die auf Wunsch des Verleihs geschnittenen Szenen nur noch von einer VHS in entsprechend niedriger Qualität übernommen werden.

Auf die Frage zu seinem Verhältnis zur Digitalisierung antwortete Graf: „Ich kann nur immer wieder sagen: Film ist Film. 16mm, 35mm, Super 8. Alles andere ist der Versuch eines Placebos. Dass auf die Dauer wahrscheinlich, durch wirtschaftliche Interessen, dieses Filmmaterial nicht mehr vorkommt, ist eine Katastrophe. Trotzdem wäre es noch katastrophaler, wenn bestimmte Filme überhaupt nicht mehr zu sehen sein würden.“

Graf akzeptiert die Digitalisierung „als konservierenden Wert“ und gibt zu bedenken: „Für mich ist das Material „Film“ das Rettenswerte, aber bevor die Filme ganz verschwinden, ist klar, dass man auch mit so einer 4K-Restauration vorlieb nimmt. Aber es bleibt ein Placebo!“

Zum vollständigen Interview

[2019/01/01]

Förderprogramm Filmerbe startet

Filmförderungsanstalt (FAA) federführend

1. Januar 2019. – Am 1. Januar 2019 startet das Förderprogramm Filmerbe. Für einen Zeitraum von zehn Jahren stehen jährlich bis zu zehn Millionen Euro für die Digitalisierung von deutschen Kinofilmen zur Verfügung. Die Mittel werden vom Bund, den Ländern und der Filmförderungsanstalt (FAA) zu jeweils einem Drittel aufgebracht. Die Digitalisierung erfolgt nach Auswertungsinteresse, kuratorischem Interesse (aufgrund einer Nachfrage oder um die filmhistorische Vielfalt zu erhalten) und konservatorischer Notwendigkeit (aufgrund von Materialgefährdung). Die Förderungen werden von der Filmförderungsanstalt (FAA) gewährt.

Über eine Förderung nach kuratorischem und konservatorischem Interesse entscheidet jeweils ein Expertengremium. Über eine Förderung nach einem Auswertungsinteresse befindet wie bisher der Vorstand der FAA. Der zu digitalisierende Film soll im Kino aufgeführt worden oder kinotauglich sein. Nicht gefördert werden Filme, die „ursprünglich, primär oder ausschließlich für das Fernsehen oder den direkten Vertrieb über Video, DVD oder VOD produziert wurden.“

Antragsberechtigt sind die Rechteinhaber; im Falle einer Digitalisierung aus konservatorischen Gründen können Archive und Filmerbeeinrichtungen auch ohne Rechtenachweis Anträge stellen. Nicht antragsberechtigt sind Behörden der unmittelbaren Staatsverwaltung, Gemeinden und Rundfunkveranstalter. Eine … [more…] Richtlinie und Antragsformulare zum Förderprogramm Filmerbe

[2018/12/30]

Zukunft des analogen Films: das Museumskino

Rainer Rother über unterschiedliche Qualitäten bei der Digitalisierung des Filmerbes

30. Dezember 2018. – In einem Gespräch mit dem Deutschlandfunk vom 28. Dezember bekräftigte Rainer Rother, künstlerischer Leiter der Deutschen Kinemathek, dass die Digitalisierung unabänderlich sei, „weil das 35mm-Filmmaterial, das wir bräuchten, gar nicht mehr produziert wird und es auch keine wirtschaftliche Perspektive gibt, um dieses Material in dem Analogen zu halten, auf Ewigkeit.“

Auf das Verschwinden der analogen Filmprojektoren aus den Kinos angesprochen, antwortete Rother: „Ich glaube, es wird auf eine Praxis hinauslaufen, in der – ich sag das jetzt gar nicht abwertend – Museumskinos oder museal orientierte, filmhistorisch orientierte Kinos, besondere Vorführungen auf 35mm werden garantieren können.“

Rother präzisierte, dass die Digitalisierungsförderung von Bund, Ländern und Filmwirtschaft darauf abziele, die Filme in der höchst möglichen Qualität zugänglich zu machen: „Wir versuchen das, was das Ausgangsmaterial hergibt, in das Digitale zu retten – und das wird nicht für alle Filme [...] zu machen sein.“ Das bedeute aber nicht, dass diese Filme verloren seien: Zum einen würden sie auf ihrem analogem Material im Archiv bewahrt und zum anderen würden auch diese Filme digitalisiert, wenn auch in geringerer Qualität: „Das reicht dann möglicherweise nicht, um sie idealerweise im Kino zu zeigen, aber es reicht um zu wissen, was für ein Film das ist.“ … [more…] Online bis zum 6. Juli 2019

[2018/12/26]

Digitalisierung als Kompromiss

DEFA-Regisseure wirken bei der Digitalisierung ihrer Filme mit

26. Dezember 2018. – In Leuchtkraft 2018, dem kürzlich erschienenen Journal der DEFA-Stiftung berichtet Melanie Hauth, bei der DEFA-Stiftung für Digitalisierung und Restaurierung zuständig, über die digitale Neubearbeitung des Märchenfilms „Dornröschen“ (1970) von Walter Beck. Die DEFA-Stiftung, so Hauth, setze die digitalen Tools „sehr sparsam“ ein, „damit das ursprüngliche Aussehen und damit ein Stück weit das Kinoerlebnis und der Charme analoger Filme so gut es geht auch im Digitalisat bewahrt werden.“ (S. 48) Bei der Licht- und Farbbestimmung seines Films war der heute 88jährige Regisseur beratend eingebunden.

Über die Digitalisierung des sorbischen Filmerbes informiert Sylke Laubenstein-Polenz.

Lutz Dammbeck empfindet die „digitale Neubearbeitung“ seiner zwischen 1976 und 1986 bei der DEFA realisierten Animationsfilme als „Schande“: Die Digitalisierung heize die Klimakatastrophe an und führe „zu einer Verkünstlichung der Welt“. Dennoch beteiligt er sich freiwillig an der Digitalisierung seiner Filme und leidet unter dieser Inkonsequenz. Zwar könne man praktisch unbegrenzt im digitalen Bild arbeiten, es sei aber wichtig, „den Coloristen zu stoppen, ehe er alle seine tools anwirft.“ (S. 68) Dammbeck kritisiert auch die fehlende Normung, „der große Wirrwarr von Codes, Farbräumen und Formaten.“ Vieles sei vom Zufall abhängig und es sei fraglich, „ob das … [more…] "Leuchtkraft" ist online verfügbar

[2018/12/18]

Digitalisierung des Belegarchivs der Filmförderung Hamburg

Weitere Finanzierung aber noch offen

18. Dezember 2018. – Das Belegarchiv der Filmförderung Hamburg in der Kinemathek Hamburg dokumentiert in einzigartiger Weise und nahezu lückenlos einen wichtigen Abschnitt der Filmförderung in Hamburg. Mit der Gründung des Hamburger Filmbüros und der Installierung einer kulturellen Filmförderung wurde 1980 in vorbildlicher Weise auch ein Archiv angelegt, das in Deutschland seinesgleichen sucht. Die rund 500 in der Kinemathek Hamburg archivierten Kopien der Filmförderung Hamburg zeugen heute von einer beispiellosen kreativen Aufbruchsphase in der Hamburger Filmszene.

Es handelt sich bei diesen Filmen hauptsächlich um analoge Positivkopien, die zum Teil bereits deutliche Farbverluste aufweisen. Dazu Martin Aust, Geschäftsführer der Kinemathek Hamburg: „Um das Archiv zu erhalten müssen Sicherungskopien erstellt werden. Außerdem sollen die Filme auch weiterhin für die Vorführung im Kino zur Verfügung stehen. Das geht leider in den meisten Kinos nur noch digital.“

Die Kinemathek Hamburg erhielt im letzten Jahr erstmalig 100.000 EUR von der Behörde für Kultur und Medien Hamburg zur Digitalisierung des Belegarchivs. Mit diesen Mitteln wurden bis Ende dieses Jahres 26 Titel digitalisiert. Um Kosten zu sparen, kooperierte die Kinemathek bei der Digitalisierung der Filme von Lutz Dammbeck mit der Deutschen Kinemathek und bei den Filmen von Monika Treut mit der Edition … [more…]

[2018/12/11]

Sicherheit durch Erhalt des Filmerbes auf Filmmaterial

Plädoyer von FIAF-Präsident Frédéric Maire – Hilfe für analoge Filmlabore angemahnt

11. Dezember 2018. – In einem Interview mit der österreichischen Tageszeitung Der Standard spricht Frédéric Maire, Präsident der Fédération Internationale des Archives du Film (FIAF) und Direktor der Cinémathèque Suisse über die Digitalisierung der Filmarchive. Er weist darauf hin, dass es bei der Speicherung von Digitalisaten derzeit „keine internationalen Normen“ gibt. Das sei normal, „denn wir befinden uns am Beginn einer neuen Ära. Als der Tonfilm kam, hat es auch Jahre gedauert, bis sich ein System weltweit durchgesetzt hat.“

Der FIAF-Präsident verweist auf die enorme Speicherleistung und die damit verbundenen Kosten, um die originalen Dateiformate aufzubewahren: „Die Kluft, die es schon in der Erhaltung des analogen Films zwischen den Institutionen gab, wird dadurch noch größer. Deshalb ist die Lösung, bei der Erhaltung des Erbes auf Film als Material zurückzukehren, nicht die absurdeste Lösung. Weil dies Sicherheit bietet.“

Maire plädiert zudem dafür, analog aufgenommene Filme auch im Original vorzuführen. Der analoge Film sei zu einer Nische geworden. „Den Labors, die noch existieren und die es weiter geben muss, muss geholfen werden.“ Die Digitalisierung hätte aber zu einer Öffnung der Archive beigetragen.

Zum Gespräch in Der Standard vom 11.12.2018

[2018/12/06]

Lebendiges Filmerbe – in Dänemark

Dänisches Stummfilmerbe wird digitalisiert und zugänglich gemacht

6. Dezember 2018. – Das Dänische Filminstitut (DFI) wird im Laufe der kommenden Jahre das gesamte dänische Stummfilmerbe, bestehend aus ca. 415 Titeln mit einer Laufzeit von ungefähr 350 Stunden, digitalisieren, erforschen und zugänglich machen. Auch filmbegleitende Materialien wie Filmprogramme, Stills und Plakate werden digitalisiert. Schätzungsweise ein Fünftel der dänischen Stummfilmproduktion ist erhalten.

Die digitalisierten Filme werden zusammen mit Erläuterungen in einem Online-Portal bereitgestellt. Ferner wird die Cinemateket im Kopenhagen ein Stummfilmfestival ausrichten.

Dieses Digitalisierungsprojekt ist das bislang größte filmhistorische Unterfangen seiner Art in Dänemark. Ermöglicht wird es durch die Unterstützung dreier dänischen Fonds, die zusammen 30 Millionen DK (= 4.000.000 Euro) zur Verfügung stellen.

Mit der Digitalisierung des dänischen Stummfilm-Erbes ist auch ein dreijähriges deutsch-dänisches Forschungsprojekt der Universität Kopenhagen und der Universität zu Köln verbunden, das sich den intensiven dänisch-deutschen Filmbeziehungen in der Stummfilmzeit widmet. Erforscht werden u.a. die entstehende Celebrity-Kultur in ihrer dänisch-deutschen Verschränkung (etwa in der Person des Schauspielers Olaf Fønss), die Frage nach einer ‚dänischen’ Ästhetik im deutschen Stummfilm als Folge der Arbeitswanderung zwischen der beiden … [more…] Zur Pressemitteilung des Dänischen Filminstituts (nur in Dänisch)

[2018/12/05]

Eine „Vision Kino“ unter Einschluss der „Vision Filmerbe“

DEFA-Stiftung verlangt ein Gesamtkonzept

5. Dezember 2018. – In einer Rede bei der Preisverleihung der DEFA-Stiftung am 30. November fragte DEFA-Vorstand Ralf Schenk auch nach der Zukunft der Kunst des Kinos. „Wie lange es noch das traditionelle Kino geben wird, das herkömmliche Fernsehen, die DVD, die Bluray – wer weiß es schon? Hat das Filmerbe auf Streamingkanälen eine Zukunft oder geht es dort erbarmungslos unter [...]? Das sind so Fragen, die sich nicht nur auf technische Bedingungen beziehen, sondern auch darauf, ob und wie jungen Generationen die Kunst des Kinos, auch die Geschichte dieser Kunst nahegebracht werden kann. Mit der Digitalisierung des Filmerbes allein ist es ja nicht getan, so schön die endlich in Gang gekommene Digitalisierungsoffensive auch ist. Was gebraucht wird, ist ein Gesamtkonzept. Eine wirkliche „Vision Kino“, nicht nur eine Institution, die diesen Namen trägt. Eine Vision Kino, die eine „Vision Filmerbe“ als integralen Bestandteil einschließt.“ Wohlfeile Rezepte dafür gebe es allerdings nicht.

Ralf Schenk kritisierte auch die "fast vollkommene Nicht-Anwesenheit" des deutschen und des DEFA-Filmerbes gerade im öffentlich-rechtlichen Fernsehen und forderte „feste Sendeplätze, die es dem Zuschauer ermöglichen, deutsche Filmgeschichte regelmäßig wahrzunehmen.“

Wortlaut der Rede von Ralf Schenk


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