State of digitization

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[2014/10/16]

Erst ganz am Anfang – Digitalisierung des deutschen Filmerbes

Jeanpaul Goergen

Stand: Januar 2018


1. Teil: Kinematheksverbund

Diese Zusammenstellung informiert über den Stand der Digitalisierung des Filmerbes, soweit es bei den Mitgliedern des Kinematheksverbundes (Bundesarchiv, Deutsche Kinemathek, Deutsches Filminstitut – DIF), seinen kooptierten Partnern (Filmmuseum Düsseldorf, Filmmuseum München, Filmmuseum Potsdam, CineGraph Hamburg und Haus des Dokumentarfilms Stuttgart) und seinen Gästen (DEFA-Stiftung und Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung) archiviert ist.

Berücksichtigt wurden ausschließlich DCPs für den Verleih, nicht jedoch Digibetas, HDFiles, Sichtungskopien auf DVD oder Ausspielungen auf Blu-ray. Recherchiert wurde zudem, wieviele Filme von den Mitgliedern des Kinematheksverbunds online gestellt sind. Nicht aufgenommen sind Digitalisierungen ausschließlich zur archivarischen Sicherung von Filmen.

Die Digitalisierung des hier im weitesten Sinne verstandenen deutschen Filmerbes innerhalb des Kinematheksverbundes steht auch Anfang 2018 unverändert erst am Anfang. Gegenüber der letzten Erhebung von Juni 2016 sind bei der Herstellung von DCPs für Kinoaufführungen wiederum nur bei der DEFA-Stiftung deutliche Fortschritte zu verzeichnen. Die übrigen Filmerbeeinrichtungen haben zwar auch neue DCPs hergestellt, allerdings in einem deutlich bescheideneren Umfang. Leider stagniert auch die Zahl der online gestellten Videos; nur das Deutsche Filminstitut – DIF hat einige neue Filme eingestellt, insbesondere ihre restaurierten Tonbilder.

Mit Stand von Januar 2018 haben die Deutsche Kinemathek, das Filmmuseum München, die Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung und das Deutsche Filminstitut–DIF rund 795 DCPs im Verleih, darunter auch ausländische Produktionen [Juli 2016: ca. 573]. Einige DCPs der Murnau-Stiftung, die auch über andere Archive verliehen werden, wurden aus deren Angebot herausgerechnet.

  • Stiftung Deutsche Kinemathek (inkl. Filme der DEFA-Stiftung): 532 DCPs
  • Filmmuseum München: ca. 100 DCPs
  • Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung: 111 DCPs
  • Deutsche Filminstitut–DIF: 53 DCPs
  • Folgt man den Angaben auf filmportal.de (siehe unten), so standen im Januar 2018 für die Zeitspanne 1895 bis 2004 insgesamt 1.109 Filme auf DCP zur Verfügung. Die höhere Zahl ergibt sich daraus, dass Filmportal Einzelfilme zählt und auch gewerbliche Verleiher anführt.

    Aus den Archiven der Mitglieder des Kinematheksverbundes stehen Anfang 2018 rund 3.730 Filme aller Art in voller Länge über offizielle Portale online [Januar 2015: 3.428; Juni 2016: 3.677]. Der Anstieg ist somit äußerst bescheiden. Kuratierte und kommentierte Zusammenstellungen fehlen weiterhin ganz. Da einige Filme auf mehreren Plattformen liegen, ist diese Zahl mit einer gewissen Fehlerquote behaftet.

    Die Archive beteiligen sich zudem an der "Edition Filmmuseum" sowie an weiteren DVD-Kaufeditionen.

    A. Digitale Verleihkopien als DCP

    Die Deutsche Kinemathek archiviert ca. 26.500 nationale und internationale Produktionen. Rund 17.500 Filme sind gesichert und stehen zur Ansicht im Hause zur Verfügung. In der Datenbank des Filmverleihs der Deutschen Kinemathek sind knapp 4.000 Filme sowie rund 17.600 Filme des DEFA-Filmstocks recherchierbar. Aber bei weitem nicht alle Titel sind auch in Verleihkopien vorrätig. – An digitalen Kopien verleiht die Kinemathek 532 DCPs [Stand April 2015: 17 / Januar 2016: 333]. 394 Digitalisierungen kommen aus dem DEFA-Rechtebestand, 138 DCPs [Januar 2016: 77] aus dem eigenen Bestand, darunter auch acht Titel der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung sowie einige ausländische Filme. Alle DCPs können über die Verleihfilm-Datenbank recherchiert werden. Auch andere digitale Formate wie Blu-ray und DigiBeta werden angeboten.

    Auf der Website der DEFA-Stiftung findet sich ebenfalls eine Übersicht über die digitalisierten Titel aus deren Rechtebestand.

    Das Deutsche Filminstitut-DIF verfügt über rund 20.000 Filmkopien. – Es verleiht 77 DCPs von 100 Filmen [Stand August 2015: 36 DCPs]. Auf zwei DCPs sind 33 Tonbilder versammelt. 24 DCPs enthalten 16 Filme in verschiedenen Fassungen, die auch die Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung verleiht. Außerdem verleiht das DIF auch DCPs von einigen aktuellen ausländischen Produktionen bzw. Ko-Produktionen. Ohne die Murnau-Filme hat das DIF somit eigene 53 DCPs im Verleihangebot. Die Liste mit Stand Juli 2017 ist auf der Website Verleihprogramm als pdf hinterlegt.

    Die Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung archiviert etwa 6.000 deutsche Produktionen im eigenen Rechtebestand. Hinzu kommt ein Filmstock von ca. 20.000 treuhänderisch verwalteten Titeln. Ein Großteil kann im Hause gesichtet werden oder wird analog verliehen. – Aus dem eigenen Rechtebestand werden 111 DCPs [Januar 2016: 76; März 2016: 79] verliehen; eine Liste (Stand: Juli 2017) kann als pdf heruntergeladen werden. Einige DCPs werden gleichzeitig über das Deutsche Filminstitut – DIF (16 Titel) und die Deutsche Kinemathek (8 Titel) angeboten. Zu vielen Titeln stehen auch andere digitale Formate zur Verfügung.

    Das Filmmuseum München (Bestand: 6.000 Titel; Schwerpunkte: deutsche und sowjetische Stummfilme, früher Tonfilm und Mehrsprachenversionen, Klassiker des Avantgardefilms sowie Filme von Münchner Regisseuren) arbeitet seit 2001 digital. Eine Liste der digital verleihbaren Restaurierungen deutscher und internationaler Produktionen findet sich auf den Seiten 50/51 der Broschüre "50 Jahre Filmmuseum München" (2013). Diese Liste unterscheidet allerdings nicht zwischen DCP, Blu-ray, Beta-Tape oder DVD. Mit Stand vom Januar 2016 verleiht das Filmmuseum München rund 100 DCPs, von denen 70 Titel "starke deutsche Bezüge" aufweisen.

    Die Abteilung Filmarchiv des Bundesarchivs (Bestand: rund 150.000 Filme) bietet mit Stand 4. Dezember 2017 rund 68.000 Medien (15. Dezember 2015: 70.194) zur Benutzung an. Wählt man nur „Filme“, kommt man auf 46.428 35mm- und 16mm-Filme (15. Dezember 2015: 46.223) – ein Plus von 205 Filmen. Aber nicht alle Filme sind tatsächlich auch benutzbar; eine Reihe von Titeln sind wegen zu hoher Schrumpfung für die Ausliehe gesperrt. Ausweislich der Online-Datenbank verleiht das Bundesfilmarchiv derzeit keine DCPs.

    Das Filmmuseum der Landeshauptstadt Düsseldorf (Bestand: 6.000 Titel) sowie das Filmmuseum Potsdam verleihen keine DCPs ihrer Filme.

    Der Kinematheksverbund veröffentlichte im September 2016 eine Liste aller Digitalisate der Mitglieder des Kinematheksverbunds bis 2016. Sie umfasst sämtliche digitale Formate bis zu 2 K, berücksichtigt aber nur die Digitalisierungen der Deutschen Kinemathek, des Deutschen Filminstituts – DIF, der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung und der DEFA-Stiftung. Eine aktualisierte Fassung liegt derzeit (Januar 2018) nicht vor.

    B. Filme online

    Auf der "Videos"-Seite von filmportal.de sind 3.218 Titel [April 2015: 2.038 / Januar 2016: 2.514, Juni 2016: 2.674] abrufbar, zum größten Teil Trailer aktueller Produktionen sowie Filmausschnitte, Features und Aufzeichnungen von Diskussionen und Vorträgen. Ohne diese kommt man auf 390 [Juli 2016: 359] in voller Länge eingestellte Filme, zumeist Kurzfilme. Das Bundesarchiv-Filmarchiv steuert unverändert 164 [April 2015: 158], die Deutsche Kinemathek unverändert 30 [April 2015: 30; darunter 6 ausländische Filme] und die Murnau-Stiftung ebenfalls unverändert 13 Titel bei. Die Landesfilmsammlung Baden-Württemberg im Haus des Dokumentarfilms ist gleichfalls unverändert mit 20 Videos vertreten. Nur das Deutsche Filminstitut-DIF hat die Zahl ihrer Videos auf nun 134 [April 1915: 76, Juli 2016: 101] erhöht.

    Das European Film Gateway EFG bietet 42.611 Videos; der starke Anstieg von 8.560 Videos im Juni 2016 ist auf die Übernahme der Film der Cinecittà Luce zurückzuführen. EFG bietet Zugriff auf eine Auswahl der bereits auf filmportal.de verfügbaren Titel. Das DIF hat 1.399 Videos aller Art eingestellt, zumeist Trailer. Das Bundesarchivs zeigt unverändert 165 Filme [Januar 2016: 164]. Die Landesfilmsammlung Baden-Württemberg im Haus des Dokumentarfilms ist gleichfalls unverändert mit 20 Videos vertreten. Mit 46 Videos [Juni 2016: 45] bietet die Kinemathek 16 Filme mehr an als auf filmportal.de; darunter auch ausländische Produktionen. Fast alle Titel dürften auch auf filmportal.de eingestellt sein.

    Auf der Deutschen Digitalen Bibliothek als dem „zentralen nationalen Portal für Kultur und Wissenschaft“ sind 3.942 Videos [April 2015: 1.533; Juni 2016: 3.914 Videos] eingestellt. Der starke Anstieg von 2015 auf 2016 war auf die neu hinzugekommenen Videos wissenschaftlicher Filme der Technischen Informationsbibliothek (TIB) zurückzuführen. Das Deutsche Filminstitut-DIF zeigt unverändert 1.478 Videos [April 2015: 1.448; Juli 2016: 1.478], vorwiegend Trailer. Unverändert auch der Beitrag der Murnau-Stiftung mit 63 Videos [so bereits 2016]. Das Bundesarchiv-Filmarchiv hat 160 Titel [April 2015: keine; Juni 2016: 159] eingestellt. Die Landesfilmsammlung Baden-Württemberg ist gleichfalls unverändert mit 20 Videos vertreten. Auch diese Videos dürften auch auf filmportal.de zu sehen sein sein. Die Deutsche Kinemathek ist auf dieser Plattform nicht vertreten.

    Das Filmarchiv des Bundesarchivs bietet in seiner Filmothek Zugriff auf 3.433 Filme [April 2015: 2.300; Juli 2016: 3.428], vor allem Wochen- und Monatsschauen, aber auch Filme zum Ersten Weltkrieg sowie Dokumentationen des Bundespresseamtes. Abgedeckt werden die Zeiträume 1914-1918 sowie 1945-1998. 110 Filme aus der Zeit des Ersten Weltkriegs sind ebenfalls über filmportal.de, das European Film Gateway EFG und die Deutsche Digitale Bibliothek abrufbar; Infos über diesen Bestand sind auf dieser Seite der Filmothek verfügbar.

    C. Kauf-DVDs

    An der DVD-Publikationsreihe Edition Filmmuseum nehmen Filmarchive und kulturelle Institutionen im deutschen Sprachraum teil. Die dort veröffentlichten Filme werden auch oft für Vorführungen genutzt.

    Die Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung wertet zahlreiche Filme national und international auf DVD und BluRay aus. Allein auf dem deutschen Markt sind über 80 Titel erhältlich.

    Das Bundesarchiv-Filmarchiv beteiligt sich zudem an der von CineGraph Hamburg bei absolut Medien jährlichen erscheinenden DVD-Reihe cinefest Edition mit bisher neun Ausgaben.

    Ebenfalls bei absolut Medien gibt das Deutsche Filminstitut-DIF die Archivedition Erster Weltkrieg heraus.

    Auch die Kinemathek gibt in Zusammenarbeit mit anderen Institutionen und Verlagen DVDs wichtiger Filme heraus.

    D. Recherche

    Die am 1. Januar 2016 gestartete neue Verleihdatenbank der Deutschen Kinemathek erlaubt auch die Recherche nach digitalen Kopien; das DIF und die Murnau-Stiftung halten ihre DCP-Verleihlisten als pdf bereit. Ältere Titel des Filmmuseums München finden sich auf den Seiten 50/51 der Broschüre "50 Jahre Filmmuseum München" aus dem Jahr 2013. Neue Zahlen wurden seitdem nicht veröffentlicht.

    Seit Februar 2015 ist es möglich, über die Seite "Filme von A-Z" auf filmportal.de die Verfügbarkeit von Filmen auch nach der Kategorie „Verleih digital“ [d.h.: DCP] zu recherchieren. Insgesamt listet filmportal.de 94.542 Filme [April 2015: 84.848; Januar 2016: 87.043; Juli 2016: 88.888]; davon sind 2.997 Titel auf DCP verfügbar [April 2015: 1.739; Januar 2016: 1.957; Juni 2016: 2.158]. Berücksichtigt werden hier neben den Filmarchiven auch gewerbliche Verleiher. Leider lassen sich diese Angaben nicht nach Filmerbeeinrichtungen filtern. Welche der als DCP vorliegenden Filme ebenfals online sind, lässt sich gleichfalls nicht herausfiltern. – Die vom Filmmuseum München verliehenen DCPs sind auf filmportal.de nicht nachgewiesen.

    Setzt man den Beginn der Digitalisierung auf 2005 an, so sind – folgt man den Angaben auf filmportal.de – im Januar 2018 für die Zeitspanne 1895 bis 2004 insgesamt 1.109 Filme auf DCP nachgewiesen [April 2015: 484; Januar 2016: 598; Juni 2016: 686]. Dieser Anstieg ist vor allem auf die Digitalisierung der DEFA-Filme zurückzuführen.

  • Das Kaiserreich (1895-1918) ist mit 56 Filmen [April 2015: 23; Juni 2016: 45] vertreten; hier vor allem die vom Deutschen Filminstitut und der Deutschen Kinemathek digitalisierten Tonbilder
  • Weimarer Republik (1919-1932): 108 Filme [April 2015: 65; Januar 2016: 74; Juni 2016: 77]
  • "Drittes Reich" (1933-1944): 43 Filme [April 2015: 17; Januar 2016: 27; Juni 2016: 29]
  • Ab 1945 bis 2004: 903 Filme [Januar 2016: 457, Juni 2016: 535].
  • Stand der Recherche: Januar 2018

    Recherche und Zusammenstellung: Jeanpaul Goergen. Die letzten Erhebungen datierten 27. April 2015, 31. Januar 2016 und 22. Juni 2016.


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