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Die Initiative „Filmerbe in Gefahr“ will mit dieser Internetseite die akuten Probleme unserer Filmarchive stärker ins Bewusstsein rufen und über die Fachdebatte informieren, die bisher überwiegend von Experten geführt wird.

Wir wollen vor allem die Verantwortlichen in Bund und Ländern bewegen, die dauerhafte Sicherung unseres filmischen Kulturerbes und seine zügige Digitalisierung stärker zu fördern sowie den Zugang zur Filmgeschichte im Kino und im Internet zu erleichtern.

Die Initiative „Filmerbe in Gefahr“ geht auf einen Aufruf zur Sicherung des Filmerbes zurück, der im November 2013 mehr als 5500 Unterzeichner fand. (Jeanpaul Goergen, Klaus Kreimeier)

[2019/06/18]

Ende des analogen Kopierwerks im Bundesarchiv

Einstellung am 18. Juni 2019

18. Juni 2019. – Wie das Bundesarchiv auf Anfrage mitteilt, hat es die Arbeiten im analogen Kopierwerk eingestellt. Zuletzt wurden noch Start- und Endbänder sowie Blank- und Schwarzfilm für den internen Gebrauch kopiert.

Die letzten drei für die Benutzung analog kopierten Filme waren die „Tobis-Wochenschau 46/1938“, der in der Auslandsinformation eingesetzte DEFA-Dokumentarfilm „Humboldt-Ehrungen in der DDR“ (1969) sowie der Spielfilm „Tötet nicht mehr!“ (1919) von Lupu Pick.

[2019/05/19]

Förderprogramm Filmerbe: Zweiter Durchgang

Zwei Millionen Euro für 45 Filme

19. Mai 2019. – Das Förderprogramm Filmerbe hat Anfang Mai rund zwei Millionen Euro für die Digitalisierung von weiteren 45 Filmen bewilligt.

Im Bereich kuratorisches Interesse erhält die DEFA-Stiftung 112.000,00 € für die Digitalisierung des DDR-Verbotsfilms „Fräulein Schmetterling“; der Film kann auf DCP bei der Deutschen Kinemathek ausgeliehen werden. Die Deutsche Kinemathek ebenso wie die Edgar Reitz Filmproduktion digitalisieren Filme von Peter Lilienthal. Ferner werden Arbeiten von Helma Sanders-Brahms und Ula Stöckl digitalisiert. Das Deutsche Filminstitut kann „Zeit für Träumer“ (1969) von Wolfgang Urchs sowie die bereits auf DVD vorliegenden Titel „Ich bin ein Elefant, Madame“ (1969) von Peter Zadek und „Sierra Leone“ (1987) von Uwe Schrader digitalisieren.

Aus konservatorischen Interesse erhalten „Eine Tolle Nacht“ (1926, R: Richard Oswald), „Ariane“ (1931, R: Paul Czinner), „Kuhle Wampe“ (1932, R: Slatan Dudow) – der bereits auf DVD vorliegt –, „Der ewige Traum“ (1934, R: Arnold Fanck), der Ufa-Städtefilm „Besuch in Frankfurt am Main“ (1936) sowie „Herz der Welt“ (1952, R: Harald Braun) Digitalisierungsmittel.

Auf Antrag von Film Shift (München) werden Filme von Angela Schanelec, Christian Petzold, Thomas Heise und Ulrich Köhler für die Auswertung digitalisiert. Die Kinemathek Hamburg kann Hark Bohms „Nordsee ist Mordsee“ von 1975 digitalisieren; der Regisseur feierte am 18. Mai seinen 80. Geburtstag.

Liste der im zweiten Durchgang geförderten Titel

[2019/04/29]

Förderprogramm Filmerbe: Erste Entscheidungen für 2019

1,7 Mio. Euro für die Digitalisierung von 50 Filmtiteln

29. April 2019. – Zum Jahresbeginn startete das neue Förderprogramm Filmerbe, das jährlich bis zu zehn Millionen Euro für die Digitalisierung von deutschen Kinofilmen bereitstellt. Im April trafen sich auch erstmalig die beiden Gremien, die über Anträge zur Digitalisierung aus kuratorischem Interesse oder aus konservatorischer Notwendigkeit entscheiden. Das Gremium „kuratorisches Interesse“ umfasst sechs, das Gremium „konservatorisches Interesse“ drei Mitglieder. Die Liste der Mitglieder und ihrer Stellvertreter ist auf der Seite der Filmförderungsanstalt einsehbar.

19 Filme werden aus filmhistorischem Interesse, 16 nach Auswertungsinteresse und 15 zwecks Materialsicherung gefördert. Insgesamt wurden 1.715.332,72 Euro für die Digitalisierung von 50 Filmtiteln vergeben.

Die DEFA-Stiftung, das Deutsche Filminstitut und die Stiftung Deutsche Kinemathek erhalten Gelder für ihre Anträge nach dem kuratorischen Interesse, die Deutsche Filminstitut und die Stiftung Deutsche Kinemathek für konservatorische Digitalisierungen.

Am teuersten ist die Sicherung von DAS GROßE LICHT (1920) von Hanna Henning mit Emil Jannings (knapp 70.000 Euro) und DIE SPUR FÜHRT NACH BERLIN (1952) von František Čáp (rund 61.000 Euro), der bereits auf DVD vorliegt.

Bei der Digitalisierungsförderung nach kuratorischem Interesse schlagen DIE VERTREIBUNG AUS DEM PARADIES (1976) von Nikolaus Schilling (bereits auf DVD/Blu-ray erhältlich) und GORLEBEN: DER TRAUM VON EINER SACHE (1981/82, R: Niels Bolbrinker u.a.) mit jeweils rund 61.000 Euro zu Buche.

Liste der ersten für 2019 geförderten Titel

[2019/03/22]

Massendigitalisierung statt Vorführkopien

Neue Ausrichtung des Bundesarchivs – Konzentration auf das Archivgut des Bundes

22. März 2019. – Das Bundesarchiv setzt bei der Sicherung der analog überlieferten Filme auf Massendigitalisierung, d.h. es sollen prinzipiell alle im Bundesarchiv vorhandenen rund 155.000 Filme digitalisiert werden. Bei eindeutiger inhaltlicher Redundanz wird aber nur das technisch bessere Stück digitalisiert. Bei der Digitalisierung konzentriert sich das Bundesarchiv auf das filmische Erbe des Bundes, das zudem vorrangig erschlossen wird.

Die neue Ausrichtung der Filmabteilung des Bundesarchivs geht aus dem letzten Heft der Zeitschrift Forum von Dezember 2018 hervor und wurde am 12. März vom Präsidenten des Bundesarchivs Michael Hollmann bei einem Pressegespräch präzisiert.

Primär versteht sich das Bundesarchiv als Archiv und nicht als Filmverleih; der sichernde und bewahrende Charakter der Digitalisierung hat Vorrang. Die Bearbeitung und Rekonstruktion von analog überlieferten Filme mit dem Ziel einer Aufführung ist nicht mehr prioritär und soll nur noch in wenigen ausgewählten Fällen erfolgen. Fortan bleibt es Benutzern wie etwa Filmproduktionen und kommunalen Kinos überlassen, die vom Bundesarchiv hergestellten Rohscans qualitativ zu bearbeiten und in ein verwertbares Format umzuwandeln. Tatsächlich verleiht das Bundesarchiv ausweislich der Datenbank Benutzungsmedien Film Online (Stand: 4. Februar 2019) aktuell nur sieben DCPs.

Bei externen Dienstleistern hat das Bundesarchiv bis Jahresende 2018 etwa 1.400 analoge Filme digitalisieren lassen. Für Interessenten besteht aber noch keine Möglichkeit, diese Digitalisate zu sichten. Derzeit installiert das Bundesarchiv am Standort Hoppegarten einen eigenen Scanner; die Anschaffungskosten belaufen sich auf rund eine Million Euro. Perspektivisch soll am Standort Koblenz ein weiterer Scanner in Betrieb gehen.

Da im Rahmen des über die Filmförderungsanstalt abgewickelten Förderprogramms Filmerbe jeweils auch ein Exemplar des digitalisierten Films im Bundesarchiv eingelagert werden muss, wird sich das Haus zwangsläufig zum digitalen Film-Langzeitgedächtnis der Bundesrepublik entwickeln. Mit dieser Aufgabe sieht sich das Bundesarchiv über das eigene Vermögen hinaus übermäßig belastet und verlangt einen „fairen Lastenausgleich“ im Rahmen der Haushaltsplanungen. Aktuell umfasst der Speicher des Bundesarchivs für die Sicherung digitaler Filme 10.000 Bänder mit einer Kapazität von je 12 Terabyte, also insgesamt ca. 120 Petabyte – nach einiger Aussage die derzeit größte Anlage Europas im archivischen Bereich.

[2019/02/13]

Plädoyer für eine "hybride Lösung"

Michael Loebenstein beklagt Stillstand beim Aufbau des Film Preservation Center

13. Februar 2019. - Am 5. Februar 2019 veröffentlichte der Wiener Standard eine Replik von Michael Loebenstein auf einen Artikel von Dirk Alt vom 29. Januar (Das digitale Dilemma, in: Der Standard, Wien). Loebenstein, Direktor des Österreichischen Filmmuseums und Generalsekretär der Internationalen Vereinigung der Filmarchive (FIAF), ist mit Alt darin einig, dass es wichtig sei, das filmische Erbe und den Film als Kulturtechnik in ihrer "physischen Materialität" zu erhalten. Österreich habe mit dem Konzept "Film Preservation Center" in diesem Sinne einen bemerkenswerten Schritt getan. "Passiert ist allerdings seit fast zwei Jahren gar nichts."

Loebenstein verwirft den Gedanken einer "digitalen Sicherung" nicht vollständig, sondern spricht sich für eine "hybride Lösung" aus. Er verweist auf internationale Bemühungen um Dateiformate und Datenträger, "die nichtprofitorientierten Archiven und Museen erlauben, digital erzeugte Werke wie auch Scans von analogen Filmen langfristig verfügbar zu halten." Es sei daher notwendig, parallel zur Erhaltung der analogen Techniken und der Pflege des analogen Filmbestands "in den Aufbau einer auf offenen Standards basierenden digitalen Langzeitsicherung zu investieren. Alles andere ist falsche Orthodoxie."

Zum Artikel

[2019/02/12]

Digitalisierung als Placebo

Dominik Graf über die 4K-Restaurierung seines Films „Der Sieger“ von 1994

11. Februar 2019. – In einem Interview mit der taz (7.2.2019) kommentierte Dominik Graf die auf der Berlinale vorgestellte Digitalisierung seines Films „Der Sieger“ (1994). Im Gespräch mit Barbara Wurm äußerte er sich zufrieden, „dass dieser Film jetzt existiert.“ Das Negativ und alle anderen Materialien seien seinerzeit weggeschmissen worden. So konnten für die Restaurierung und Digitalisierung die auf Wunsch des Verleihs geschnittenen Szenen nur noch von einer VHS in entsprechend niedriger Qualität übernommen werden.

Auf die Frage zu seinem Verhältnis zur Digitalisierung antwortete Graf: „Ich kann nur immer wieder sagen: Film ist Film. 16mm, 35mm, Super 8. Alles andere ist der Versuch eines Placebos. Dass auf die Dauer wahrscheinlich, durch wirtschaftliche Interessen, dieses Filmmaterial nicht mehr vorkommt, ist eine Katastrophe. Trotzdem wäre es noch katastrophaler, wenn bestimmte Filme überhaupt nicht mehr zu sehen sein würden.“

Graf akzeptiert die Digitalisierung „als konservierenden Wert“ und gibt zu bedenken: „Für mich ist das Material „Film“ das Rettenswerte, aber bevor die Filme ganz verschwinden, ist klar, dass man auch mit so einer 4K-Restauration vorlieb nimmt. Aber es bleibt ein Placebo!“

Zum vollständigen Interview

[2019/01/01]

Förderprogramm Filmerbe startet

Filmförderungsanstalt (FAA) federführend

1. Januar 2019. – Am 1. Januar 2019 startet das Förderprogramm Filmerbe. Für einen Zeitraum von zehn Jahren stehen jährlich bis zu zehn Millionen Euro für die Digitalisierung von deutschen Kinofilmen zur Verfügung. Die Mittel werden vom Bund, den Ländern und der Filmförderungsanstalt (FAA) zu jeweils einem Drittel aufgebracht. Die Digitalisierung erfolgt nach Auswertungsinteresse, kuratorischem Interesse (aufgrund einer Nachfrage oder um die filmhistorische Vielfalt zu erhalten) und konservatorischer Notwendigkeit (aufgrund von Materialgefährdung). Die Förderungen werden von der Filmförderungsanstalt (FAA) gewährt.

Über eine Förderung nach kuratorischem und konservatorischem Interesse entscheidet jeweils ein Expertengremium. Über eine Förderung nach einem Auswertungsinteresse befindet wie bisher der Vorstand der FAA. Der zu digitalisierende Film soll im Kino aufgeführt worden oder kinotauglich sein. Nicht gefördert werden Filme, die „ursprünglich, primär oder ausschließlich für das Fernsehen oder den direkten Vertrieb über Video, DVD oder VOD produziert wurden.“

Antragsberechtigt sind die Rechteinhaber; im Falle einer Digitalisierung aus konservatorischen Gründen können Archive und Filmerbeeinrichtungen auch ohne Rechtenachweis Anträge stellen. Nicht antragsberechtigt sind Behörden der unmittelbaren Staatsverwaltung, Gemeinden und Rundfunkveranstalter. Eine … [lire…] Richtlinie und Antragsformulare zum Förderprogramm Filmerbe


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